Mt. Ventoux 2015

Juli 4, 2015 in Uncategorized, Radrennen von Max

Zum Mt. Ventoux 2015

3 Tagen, 12 Stunden / 1150km

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Die Reise zum weißen Riesen oder die Aufnahme in den Club der Verrückten,
der weiße Riese davon spricht der Volksmund in Frankreich, wenn er sich ehrfürchtig vom Mt. Ventoux dem 1960m hohen Berg in der südfranzösischen Ebene äußert.
Nach der Radfahrt im letztem Jahr von Kirberg nach Berlin, innerhalb zweier Tage und über 500km, sollte es in diesem Jahr wieder eine ganz besondere Tour werden.
Maximilian Will, Oliver Vitt aus Hünfelden und Dirk Meyer aus Taunusstein überlegten nicht lange, nachdem sie von einem Club der Verrückten gehört hatten. Den Club der Verrückten kann ein jeder beitreten, der den Mt. Ventoux an einem Tag, mit dem Fahrrad von allen drei Seiten, min. einmal hochgefahren ist.
Verrückt sind die drei schon lange, aber dieses jetzt amtlich zu bestätigt wissen, das ist eine neue Herausforderung.
Und was ist noch verrückter als den Berg dreimal hochzufahren, am besten startet man doch direkt vor der Haustür, also in Hünfelden, bzw. in Taunusstein.
Innerhalb von weniger Tage planten also die Drei die Reise zum legendären Mt. Ventoux, dem Berg an dem schon so viel Radsportgeschichte geschrieben wurde, spätestens nach dem spektakulärem Tod von J. Simpson bei der Tour der France 1966 ist dieser Berg zum Radsportmekka geworden, an diesem Berg versuchen sich in jedem Jahr eine Heerschar von Hobbysportlern und natürlich steht der Mt. Ventoux auch immer wieder auf den Programmen der berühmten Radrennen.
Mit seinen 1960m ist der Mt. Ventoux nicht ein besonders hoher Berg, aber wie der Name es schon sagt (Ventoux, der Windige) herrschen dort eigene Gesetze der Elemente, von einem zum nächsten Moment kann sich ein strahlender Sonnentag in ein von Urgewalten beherrschtes Getöse verwandeln.
Aber immer der Reihe nach, am 3. Juni um 4:45 fiel der Startschuss zu einer Etappe mit ereignisreichen Impressionen und Erlebnissen, in ein Land mit netten Menschen und toller Landschaft, in ein Land voll Radfahrverrückten.
Die Strecke führte schon nach knapp 40km über die Grenze…Nein nicht über die Grenze nach Frankreich, es ging über die Theodor Heuss Brücke, nach Rheinland Pfalz von dort immer nahe am Rhein entlang, so dass die drei Fahrer nicht viel Höhe überwinden mussten, am ersten Tag ging es mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von über 32km/h knapp 365km! weit, nur etwa 50km von Muhlouse entfernt.
Eingekehrt wurde in einer netten Pension, die Besitzerin wollte noch beim Gepäck behilflich sein, doch alles was die drei Herrn dabei hatten, war in den Trikottaschen und in einer kleinen Satteltasche verstaut, es sollte mit leichtem Gepäck verreist werden, nichts sollte den Geschindigkeitsrausch gen Süden behindern.
Nach einem reichhaltigem Frühstück ging es am nächsten Tag schon wieder früh auf die Räder, nach etwa 40km nach der Grenze kam es zu einem Speichenbruch bei Oliver am vorderen Rad, aber Ersatz war schnell gefunden, in einem kleinen Ort gab es zum Glück ein Radgeschäft, dass ein neues Vorderrad vorrätig hatte und nachdem Oliver von seiner Reise und seinem Vorhaben erzählt hatte gab es das ganze natürlich zu einem Spezialpreis, noch mit guten Wünschen ausgestattet ging es weiter durch sehr schöne Landschaften, durch romantisch gelegene Dörfchen, dabei trafen die drei immer wieder auf nette Menschen, wie z.B. in einem Ort wo die drei nach etwa 200km auf der Suche nach einem Mittagessen waren, alle Geschäfte und Restaurants waren geschlossen, nur bei einem standen noch Tische unter einem großem Baum, sehr einladend, aber die Besitzerin signalisierte dass es nix zum Essen gibt, nur etwas zu Trinken, na gut wenigstens etwas.
Aber langsam wich die Zurückhaltung einem leichtem Interesse an den drei Radfahren und spätestens als der Ventoux genannt wurde brach das Eis und plötzlich gab es doch etwas für den Magen, gereicht wurde eine riesige Käseplatte, Salat aus dem Garten wurde zubereitet und natürlich Baguette, am liebsten wären die drei unter dem Baum in dem französischen Dörfchen geblieben, aber das Ziel stand ja fest, so ging es noch fast bis zu Kilometer 300 und auch hier hatten die Abenteurer wieder Glück, kurz vor dem Einbruch der Dunkelheit und einem Regenguss erreicht sie ein Hotel, hier wurde noch gut zu Abend gegessen, erschöpft, aber mit voller Vorfreude auf den nächsten Tag ging es dann zu Bett, doch alles sollte ganz anders werden…
Der Tag fing gut an, es wurde ordentlich Tempo gemacht, ein höheres Tempo erreicht man beim Radfahren in der Gruppe indem man seinem Vordermann bis auf Reifenbreite auffährt, man nutzt so optimal den Windschatten des Vordermanns, und wechselt sich so immer wieder von vorn nach hinten ab.
Eine solche Fahrweise birgt aber auch Risiken, man muss seinem Vordermann schon sehr vertrauen, weil man selbst nach vorne nichts sieht, an einer Kreuzung auf einer wenig befahrenen Landstraße ist es dann auch passiert, ein Motorradfahrer war im Begriff den drei die Vorfahrt zu nehmen, Max schaffte es noch mit einem hartem Antritt über die Kreuzung, Oliver blieb als einzige Möglichkeit einen Unfall zu vermeiden, hart an der Bremse zu ziehen, durch den plötzlichen Stopp konnte Dirk eine Kollision nicht mehr mit seinem Vordermann vermeiden, Dirk stürzte mit seinem Rad auf den rauen Asphalt und blieb liegen…
Voller Panik stürzten Maximilian und Oliver zu ihrem Kameraden, der aber schon wieder benommen aufstand, aber im gleichem Moment andeutete, dass die Reise an dieser Stelle zu Ende sei, fürchterliche Schulterschmerzen und Atembeschwerden waren die Folgen des Sturzes.
Dirk radelte noch etwa 10km weiter bis ins nächste Ort, von dort wurde er nach Hause gefahren, wo im Krankenhaus ein Schlüsselbeinbruch und ein Lungensturz festgestellt wurden.
An ein Erreichen des Ziels an diesem Tag war nun nicht mehr zu denken, alleine wegen der Verzögerung, aber auch Maximilian und Oliver waren geschockt und traurig dass sie nun nicht mehr zu dritt waren.
Die beiden radelten aber noch bis zu km 200 und auch an diesem Abend zog sich der Himmel immer weiter zu, bis plötzlich ein Unwetter über dem Land sich ergoss, mit ihren dünnen Trikots waren sie dem Hagel und Regen schutzlos ausgeliefert, doch an einer Seitenstraße fanden die beiden zumindest etwas Schutz unter dem Dachvorsprung einer Scheune.
Auf einmal bog ein Auto in die Seitenstraße ein der Fahrer erblickte die beiden durchgefrorenen Sportler und deutete an ihm bis zu seinem Haus zu folgen, nach etwa hundert Metern standen die zwei knöcheltief im Wasser, im Vorgarten eines älteren Ehepaars, die sogleich andeuteten doch ins warme Haus zu kommen, die gestrandeten wurden zunächst mit Handtüchern versorgt, dann gab es eine riesige Pfanne mit Speck und Eiern, natürlich Rotwein und Käse, während die beiden Ihre Geschichte dem Ehemann erzählten, machte die Dame des Hauses auch wie selbstverständlich das Gästezimmer zurecht, recht früh ging es auch schon als bald ins Bett.
Am nächsten Morgen gab es schon wieder einen reichhaltig gedeckten Tisch, nach dem Frühstück sollte es eigentlich auch gleich losgehen, aber die Verabschiedung und Photodokumentation schob sich noch ein wenig in die Länge…
Noch ca. 140 km bis zum lange ersehntem Ziel, mittlerweile waren die Temperaturen aber schon weit über die 30°C gestiegen, gut dass es bald bergauf führen würde und es etwas kühler werden sollte, endlich am Fuße des Ventoux angekommen ging es von Malaucène den legendären Anstieg hoch zum Gipfel, 21km mit durchschnittlich 8% Steigung und einigen Rampen bis zu 15% waren zu bewältigen. Nach 1:50h waren die zwei auf dem Gipfel, das nach genau 3 Tagen und 12h und insgesamt über 1100km!
Gerne hätten die beiden Ihren Kameraden auf dem Gipfelphoto mit drauf gehabt, aber manches kann man im Leben nicht ändern und die schönen Momente würden sich nicht von den schlechten unterscheiden, gäbe es die Schlechten nicht.
Das Ziel war erreicht, ein weiteres liegt davor, vom Mt. Ventoux ging es nochmal ca. 100km nach Avignon und von dort mit dem Zug nach Hause.

2015-06-09 09.41.21

…hier der 1.Tag